Erste Szene
Entwurf
Charlotte von Schiller und Karoline von Wolzogen treten aus dem Arbeitszimmer Schillers in eine Nebenstube.
Charlotte von Schiller
Wie sehr schreckt ihn doch mein Husten, den ich kaum ein Räuspern nennen will, anstatt sich des eigenen Jammers zu ergeben. Schwester, die Krankheit ist ihm nur noch ein schmaler Schatten, der sein Tagwerk trübt. Ich musste bereits an Cotta schreiben.
Karoline von Wolzogen
Und ich an meinen Gemahl. Lieber Wilhelm, diktierte er, noch ehe ich Feder und Papier herbeigeschafft, und fuhr rasch mit irgendetwas fort, weshalb ich wohl derart in Unordnung geriet, dass ich gar meine gewohnte Schreibhand mit dieser ungelenken groben Pranke tauschte, die bis dahin nur müßig ihre Stunden zählte. Die fiebrigen Spukgestalten des Hofrats sind dahin. Die Arbeit rückt an ihren Platz. O Charlotte, zu welch Gekrakel verkam der Schrieb.
Charlotte von Schiller
Ja, sein schwächlicher Arm reicht nicht bis zum Pult. Bettlägerig ist er immer noch, den nun auch die Lust nach gemeiner Übersetzung drängt. Die Phädra hat er wieder vorgenommen. So fand ich ihn vor Tagen, wie in eine kränkliche Phantasie versunken, die mir die Anwesenheit eines Arztes umso dringlicher machte. Doch murmelnd, dass kaum ein Hauch über seine Lippen ging, wog er nur die deutschen Wörter ab, die er für das franzözische zu setzen gedachte.
Karoline von Wolzogen
Waren sie zu leicht?
Charlotte von Schiller
Keines vermochte, den Tiefsinn zu bewahren. Seltsam entzweit schien er mit seiner Kraft, die ihn einst zu den entlegensten Vokabeln eine Brücke schlagen ließ.