Der Geschäftsmann
Ein Dialog
Student. Geschäftsmann
GESCHÄFTSMANN
Entschuldigen Sie bitte, aber haben Sie eventuell eine Zigarette für mich?
Student
Nein, ich bin Nichtraucher. Leider.
GESCHÄFTSMANN
Ach, das muss Ihnen doch nicht leidtun. Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich wohl ganz ähnlich geantwortet.
Student
Tatsächlich? Dann rauchen Sie erst seit Kurzem?
GESCHÄFTSMANN
Ja, ich habe mir dieses Laster erst vor ein oder zwei Monaten zugelegt.
STUDENT
Unglaublich. Einen Nikotin-Novizen, der Ihr Alter hat, trifft man wahrlich selten. Sie sind doch beinahe sechzig.
GESCHÄFTSMANN
Ich bin sogar über sechzig.
STUDENT
Darf ich fragen, warum jemand in Ihrem Alter noch mit dem Rauchen anfängt?
GESCHÄFTSMANN
Natürlich. Das dürfen Sie. Seien Sie mir aber bitte nicht böse, wenn ich Ihre Frage, die Sie so allgemein gestellt haben, nicht beantworten kann. Höchstens werde ich Sie nolens volens mit meiner Lebensgeschichte langweilen können.
STUDENT
Dann tischen Sie mir die Geschichte doch einfach so auf, dass sie sich geil anhört.
GESCHÄFTSMANN
Wie meinen Sie das?
STUDENT
Naja, nehmen Sie sich einfach ein Beispiel an dem Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre. Der ist zwar den umgekehrten Weg gegangen, indem er jeden Tag, den er in sein Tagebuch aufnehmen wollte, so gelebt hat, dass dieser Tag sich am Ende auch geil liest, wofür es in Ihrem Fall gewiss zu spät ist, aber dennoch können Sie mir Ihr Leben doch ganz und gar aufregend erzählen.
GESCHÄFTSMANN
Das ist ja geradezu absurd.
STUDENT
Das hat er letztlich auch zugeben müssen. Aber so ist das nun einmal mit dem Leben und der Literatur.
GESCHÄFTSMANN
Was soll ich bloß mit dem Ratschlag anfangen? Ihr Benjamin von Stuckrad-Barre taugt in dieser Sache einfach nicht zum Vorbild.